EU Kommission wandelt bei der Finanztransaktionssteuer auf schmalem Grad
Den Kontrakt Rollover im Bund Future am gestrigen Tag nutze ich mal dazu, um zu zeigen, wie ein Markt nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer aussehen kann. Das ist möglich, weil am Fälligkeitstag eines Futures Kontrakts die Liquidität stark zurückgeht.
Kursverlauf März vs Juni Kontrakt im Vergleich
März Kontrakt 1m
Juni Kontrakt 1m
Gut zu erkennen ist, dass sich die absolute Ausdehnung (Tagesvolatilität) der Marktbewegung mit wenig Liqudität im Markt kein Deut verändert hat. Beide Kontrakte liefen im betrachteten Zeitraum fast exakt 45 Ticks nach unten.
Wer genau hinsieht macht jedoch einen Unterschied aus. Es ist die Art und Weise wie sich beide Terminkontrakte bewegt haben.
Während der Junikontrakt seine Abwärtsbewegung sauber, solide und berechenbar vollzog (also auf allen Preisebenen ausreichend Transaktionen durchgeführt wurden), verhielt sich der Märzkontrakt mit wenig Liquidität dagegen ekstatisch und unberechenbar.
In plötzlichen Kurssprüngen von bis zu 8 Ticks führte dieser Markt einen Eiertanz auf, den kein seriöser Investor - aus berechtigten Gründen - auch nur im geringsten vorfinden möchte. Von solchen Märkten geht keine Attraktivität für irgendeinen Marktteilnehmer aus. Die Konsequenz: Vor allem die Profis wenden solchen Märkten den Rücken zu, weil sie ihr Risiko bei einer solchen Preisstellung nicht mehr realistisch kalkulieren können.
Ob die Märkte nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer tatsächlich einen derart desolaten Zustand aufweisen werden, hängt ganz entscheidend von der Höhe des Steuersatzes ab. Wird er in einem vernünftigen Verhältnis zu den normalen Handelskosten festgesetzt, könnten sich wohl die meisten Marktakteure damit anfreunden.
Aus den hier vorgebrachten Befürchtungen heraus, sind aktuell dann auch wirklich nur 0,01 bzw 0,1% auf den Umsatz einer Transaktion angedacht.
Und in der Tat: Dieser Steuersatz hört sich mickrig an. Im Verhältnis zu den aktuellen Handelskosten sind allerdings selbst diese "niedrigen" Steuersätze ne Menge Holz. Und das nicht nur vom Standpunkt eines Hochfrequenzhändlers aus gesehen.
Die Europäische Kommission wandelt bei der Ausgestaltung einer umfassenden Finanztransaktionssteuer - nur im Euroraum - auf einem schmalen Grad zwischen notwendiger Beteiligung des Finanzsektors an den Krisenkosten der letzten Jahre (ist vernünftig, steht wohl außer Frage) und gravierenden Nachteilen für die von der Steuer betroffenen Volkswirtschaften.


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