Coin Flip Blog

Zum Thema Schlecker Frauen und Rettungsschirm...

29. März 2012 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Common

...fällt mir ein passender Spruch der Investorenlegende Warren Buffett ein:

"Es lasse sich nicht vermeiden, dass die Regierung in einigen Fällen Unternehmen retten müsse, weil sie so groß sind, dass ihr Kollaps vielen anderen Unternehmen schaden würde.  Der Preis dafür sollte jedoch extrem hoch sein. „Man muss dafür sorgen, dass die Neigung, Pleite zu gehen, reduziert wird“. Vorstandsvorsitzende, deren Unternehmen gerettet werden müssen, sollten „total pleite“ zurück bleiben – das gelte auch für deren Lebensgefährten.

Da Schlecker nicht systemrelevant ist, und das Unternehmen nicht direkt unterstützt wird, liegt der Verdacht nahe, dass  es bei der Länderbürgschaft für Schlecker Angestellte um poltische Profilierungsspielchen geht. Hier vornehmlich um die des BaWü Wirtschaftsministers Nils Schmid, denn dieser treibt die Initiative voran.

Auch wenn es auf den ersten Blick um die armen Schlecker Frauen - denen natürlich sofort ein Sellsorger zur Seite gestellt wurde - geht, ist eine Transfergesellschaft auch eine Unterstützung für die Eigner der Firma Schlecker durch die Hintertür.

Von einer Transfergesellschaft profitieren allen voran die Schlecker Familie und mögliche Investoren. Ihnen bleiben so potentielle Kündigungsklagen und Abfindungszahlungen erspart, denn wer den Weg in die Transfergesellschaft geht, muss schriftlich auf derartige Forderungen verzichten.

Im gleichen Atemzug kann sich der Wirtschaftsminister aber auch damit brüsken, tausenden von Beschäftigten ein "Hart Landing" erspart zu haben, sollte es noch zu einer Einigung für sein Vorhaben kommen. Das könnte seinem Image sehr zuträglich sein und er krabbelt so zudem ein wenig aus dem Schatten seines grünen Seniorpartners Kretschmann heraus.

Auf der anderen Seite der Medaille steht der Steuerdummy - wie so oft. Er bezahlt die staatliche Untertsützung der Entlassenen bei Schlecker für ein zusätzliches halbes Jahr, denn genau das bedeutet die Transfergesellschaft in der Praxis.

Für 2015 kündigt sich übrigens bereits der "ORS" an - Opel Rettungsschirm. Ich wette: Auch hier wird sich die Politik nicht raushalten, wenn es bei dem Autobauer tatsächlich zur Sache gehen könnte.

Fazit: Ständige Einmischung des Staates, Auffanggesellschaften, Bürgschaften und Rettungsschirme weisen alle Merkmale auf, nur nicht die einer kapitalistischen Marktwirtschaft. Sollte diese Art der Politik das Wesen der neuen sozialen Marktwirtschaft darstellen, plädiere ich dafür, lieber den Ausdruck sozialistischer Kapitalismus zu verwenden.

Diesen Post teilen

Kommentiere diesen Post

Steffi 06/23/2012 21:03

Bei REWE arbeiten auch Männer an der Kasse. Also liegt es wohl doch nur an Anton :)

Steffi 06/22/2012 23:17

Aus welchen Grund arbeiten bei Schlecker nur Frauen und keine Männer? Hat das eigentlich einen bestimmten Grund?

The Risk Manager 06/23/2012 14:46



Ich denke der Anton wollte speziell Frauen einfach einen gut bezahlten, zukunftssicheren, menschenwürdigen und nicht zuletzt sehr abwechslungsreichen Arbeitsplatz bieten. Wo finden den Frauen
sonst, wenn nicht bei Schlecker? Eben ein echter Frauenfreund der Anton. Ohne Anton haben die Frauen jetzt ein echtes Problem, wenn du mich fragst.


Im Ernst: Wenn Anton wirklich einen Grund hatte, ich kenne ihn nicht. Aber Kassiererjob ist wohl eher Frauendomäne, oder?



Max Mellmerts 03/31/2012 00:37

Ich finde die gesamte Situation einfach nur eine Frechheit. Wie die Politik es versäumt Verantwortung zu übernehmen und dem kleinen Bürger jedgliche Hilfe verwehrt, ist einfach bodenlos. Um die
Banken zu retten ist jede Menge Geld da, doch wenn es um einfache Leute "von der Straße" geht, ist plötzlich absoulte Sense! Deutschland, was ist nur aus dir geworden??

The Risk Manager 03/31/2012 12:04



Es ist bei weitem keine Frechheit, für Angestellte von Privatunternehmen keine zusätzliche staatliche Bürgschaft zu übernehmen. Zumindest solange wir noch an die Marktwirtschaft glauben.


 


Wo verwehrt der Staat den kleinen Bürgern jegliche Hilfe?


 


Es ist ja nicht so, dass diese Leute ins bodenlose Fallen. Der Staat gibt schon rund 1/3 der Wirtschaftsleistung für den Sozialstaat aus. Zudem steht die Arbeitsagentur bereit.


 


Wenn die Leute auf dem Land Probleme haben einen Job zu finden, müssen sie wohl oder übel über einen Umzug nachdenken. Sind sie dazu nicht bereit, scheinen sie im Rahmen dieses Wirtschaftssystems
über ihren Verhältnissen leben zu wollen.


 


Die wahre Frechheit sind die Bankenrettungen von '08 bis heute - ohne ernstzunehmende Konsequenzen für in der Verantwortung stehende Personen, auch aus der Politik. Sie markieren den Einstieg in
eine teil - sozialistische Pseudo - Marktwirtschaft.


 


Der entscheidende, selbstregulierende Zusammenhang einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung zwischen Risiko/Haftung auf der einen- und Ertrag/Rendite auf der anderen Seite der Medaille,
wurde dabei im größtmöglichen Stil entflochten. Das gilt übrigens ganz ähnlich und schon seit längerem für die Unternehmenskultur vieler Großunternehmen, die angestellte Vorstände für sich
arbeiten lassen.


 


Wenn nun die Schlecker Pleite mit den Rettungsaktionen für die Geldhäuser ins Verhältnis gesetzt wird, haben sie dann auch vollkommen recht, wenn sie fragen: Was ist aus Deutschland nur geworden?


 


In Zukunft wird die Politik bei jedem nicht aufgespannten Rettungsschirm in Erklärungsnot geraten.