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Wem hat der Euro wirklich was gebracht?

18. September 2012 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #EuroKrise Finanzsystem

Wem hat der Euro wirklich was gebracht?

Die schweizer Bank UBS hat Recherchen angestellt und ihre Ergebnisse in einer Tabelle präsentiert.

Verglichen wurde das Wachstum der privaten Haushaltseinkommen in den Euroländern untereinander. Dabei wurde noch zwischen den Einkommensklassen unterschieden.

Auffallend: Die Euro - Pleitestaaten Griechenland, Portugal und Spanien verzeichneten - über alle Einkommensklassen hinweg -, während der letzten zehn Jahre einen signifikanten Anstieg bei den privaten Haushaltseinkommen. Dem stehen klare Einbußen bei den Haushaltseinkommen der privaten Bürger in Deutschland und ganz krass in Österreich gegenüber. Wohlgemerkt auch hier über alle Einkommensklassen hinweg. Bei den übrigen Staaten der Eurozone ist die Situation nicht ganz so einseitig.

Eine interessante Frage wirft sich nun auf: Welchen Einfluß hat der Euro auf diese quantitativen Verschiebungen bei den Privathaushalten?

Durch die Lohnzurückhaltung der Deutschen in den vergangenen zehn Jahren kann der Leser leicht zu dem Ergebnis kommen: Die gesunkenen Haushaltseinkommen der Privtaleute sind zu einem großen Teil diesem Lohnverzicht zuzuschreiben und beruhen nicht auf Effekten durch die Einführung der Gemeinschaftswährung. Ich gebe zu, auch mir ist dieser Gedanke als erstes durch den Kopf gegangen. Deutschland liegt innerhalb der Euroländer bei den Lohnsteigerungen tatsächlich "abgeschlagen" auf dem letzten Platz.

Schwieriger zu erklären ist hingegen, warum gerade in Österreich der Lebensstandard so eklatant gesunken sein muss. Die Arbeitnehmerentgelte und Löhne sind im Vergleichszeitraum 2000 bis 2011 in diesem Staat - im Verhältnis mit Deutschland - nämlich mehr als das Doppelte gestiegen. Österreich befindet sich damit auf etwa dem gleichen Lohnsteigerungsniveau wie Frankreich, aber auch Portugal oder die Niederlande und Italien. Wie in der Grafik zu sehen ist, erlitt jedoch keines dieser Länder einen ähnlich heftigen Rückgang der privaten Haushaltseinkommen über sämtliche Gesellschaftsschichten hinweg.

Andererseits ist es ebenso verwunderlich, wieso Portugal eine signifikante Zunahme bei den privaten Haushaltseinkommen über alle Einkommensklassen verzeichnen kann, obwohl das Land auf dem vorletzten Platz bei den Lohnerhöhungen in der Eurozone rangiert.

Welche Kräfte sind hier tatsächlich am Werk?

Fazit: Erst einmal lässt das UBS Research nur eine verlässliche Aussage zu: Seit der Euro - Einführung geht es den Privatleuten (die in Lohn und Brot sind) einiger EU - Staaten erheblich besser. Es handelt sich konkret um Finnland, Griechenland, Spanien und Portugal. Diese Zunahme des Lebensstandards scheint hauptsächlich auf Kosten von genau vier anderen Euro-Nationen zu gehen, namentlich: Österreich, Deutschland, Irland und Italien. Dieser Fakt widerspricht im gleichen Zug jedoch auch der so oft gehörten Theorie der Nord - Südachse innerhalb der Währungsunion. Der Euro scheint als Wohlstandsangleicher unter den Eurostaaten zu fungieren. Zumindest bis zum Ausbruch der Eurokrise 2010.

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