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Prokon ist insolvent. Verzerrte Risikowahrnehmung bei Anlegern

28. Januar 2014 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Common

Schon seit Jahren musste ich jedes Mal schmunzeln, wenn wieder einer dieser Hochglanzprospekte von Prokon bei mir im Briefkasten lag. Und jedes Mal nahm ich den Verkaufsprospekt, zeriss ihn warf ihn in den Müll und sagte zu mir selbst: Bin ja mal gespannt, wann dieser Traum ein jähes Ende finden wird. Diese Woche war es dann soweit.

Diese Geschichte, stellvertretend für viele Fälle, ist eigentlich ein alter Hut im Bereich der Anlegerverwirrungen. Der Fall Prokon ist ein klarer Beweis für die verzerrte Risikowahrnehmung von Menschen. Aktien werden wegen zu großen Risiken gemieden, aber einer intransparenten windigen Firma - kleines Wortspiel sei erlaubt - leihen die Leute rund 18.000 Euro pro Kopf. Und das für Genussrechte, bei denen sie im Insolvenzfall in der Schlange der Gläubigerpriorität ganz weit hinten stehen. Dabei kann das Ausfallrisiko dieses Investments zum Totalverlust führen und die Einschätzung dieses Totalverlusts ist von Außenstehenden in keinster Weise seriös abzuschätzen. Was für eine schlechte Wette! Der kluge Anleger sollte nomalerweise aus den Erfahrungen vergangener Zeiten und anderer Menschen lernen.

Vor allem im heutigen Internetzeitalter ist mit ein wenig Recherche und gesundem Menschenverstand eine, in vielen Bereichen, ausreichende Expertise zu erlangen. Ausreden sind daher zwecklos. Habe ich kein Internet, oder keine Person der ich eine kompetente Entscheidungshilfe zutraue, lasse ich einfach die Finger von dieser vermeintlich tollen Anlagechance.

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Image courtesy of [pakorn] / at FreeDigitalPhotos.net

Also noch einmal zum mitschreiben für alle künftigen Google Recherchen: Die Kombination, von vergleichsweise hohen stetigen Renditen gegenüber den "sicheren" Geldanlagen wie z.B. dem Festgeld sowie Verkaufsbroschüren im Hochglanzformat mit expliziten Versprechen von gleichzeitiger top Sicherheit der Investition, erweisen sich im Nachhinein nahezu ausnahmslos als verhängnisvoll für den Investor. Da brauch kein Geschäftsmodell der vermeintlichen "Goldgruben Firma" analysiert zu werden. Diese Konstellation spricht für sich, da sie dem Anleger einen Sachverhalt weissmachen will, den es im Geschäftsleben genauso wie an der Börse nicht gibt: Überdurschnittlich gute Renditen, bei absolut minimalen Risiken. Solche Versprechen sind tatsächlich immer zu gut um wahr zu sein. Ausnahmen mag es geben (wie fast überall), wenn sie einer der Ersten waren, die bei diesem "Rendite ohne Risiko Spielchen" dabei gewesen sind und es zudem geschafft haben, rechtzeitig Kasse zu machen. Allein die Gier nach stetiger und sehr guter Verzinsung des Kapitals steht hier den meisten aber im Weg.  

Natürlich wird jetzt wieder eine Verschärfung der Finanzmarktregeln gefordert, welche die armen "Klein Erna Investoren" in Zukunft vor solchen Auswüchsen schützen soll. Auch das ist ein althergebrachter Reflex der Leute, der in meinen Augen wenig nützlich ist. Diese Tendenz alles und jedes aufgetretene Problem mit neuen Gesetzen lösen zu wollen, drängt die mündigen Bürger geardezu in die Unmündigkeit. Die Menschen werden in ihrer Annahme bestätigt, andere seien Schuld an ihrem Schaden. In dieser Denkweise bestärkt, werden die meisten der jetzt betroffenen Leute auch in Zukunft abermals auf gewagte Versprechungen reinfallen. Es gibt Studienergenisse, die besagen: Jemand, der einmal auf den Leim gegangen ist, hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dies wieder zu tun. Eine überraschende und bedenkliche Aussage, wie ich finde. Eigentlich sollte man meinen das es andersherum ist, weil die Betroffenen aus ihrem Schaden schlau geworden sind, oder? Viel eher muss in diesem Zusammenhang der Schluß gezogen werden: Menschen, die sorglos und naiv agieren - oder noch schlimmer, einfach zu bequem sind um sich schlau zu machen - neigen dazu, dies auch weiterhin zu tun. Selbst wenn sie mit diesem Verhalten ordentlich auf die Fresse gefallen sind. Diese Leute werden, aus der Konditionierung ihres Denkens heraus, nur in wenigen Fällen den Weg zu mehr eigentverantwortlichem Handeln finden. Gerade deshalb müsste der Staat umso mehr ein Interesse daran haben, seine Bürger zu mehr Eigenverantwortung zu zwingen und den Menschen klar machen: Hey, übernehmt Verantwortung für eure Entscheidungen und lamentiert nicht rum, wer dieses Mal der Schuldige ist. Vielleicht wollen das die Politiker aber auch gar nicht, denn mündige und eigentverantwortliche Bürger sind meistens auch unbequeme Wähler.  

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