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Poll Result zur Schuldenunion im Euro -Raum

27. November 2011 , Geschrieben von Der Risikomanager Veröffentlicht in #EuroKrise Finanzsystem

Offiziell sind die europäischen Schulden noch nicht gemeinschaftlich, denn Deutschland hat den Weg für Euro-Bonds noch immer nicht frei gemacht. Schämt euch, ihr bösen Germanen. Die sogenannten "Bailout Pakete" für klamme Euroländer sind allerdings schon eine Art von Schuldengemeinschaft. Hauptunterschied zu Gemeinschaftsanleihen: Jeder Geldtransfer von den noch liquiden Eurostaaten zu den akut gefährdeten bedarf einer individuellen Zustimmung und ist zumindest offiziell an Bedingungen geknüpft.

Unter einer rot/grünen Bundesregierung hätte Deutschland wohl längst Schritt zwei, vor Schritt eins gewagt - wie es Frau Merkel immer zu sagen pflegt - und Eurobonds, ohne politische Union in Europa, wären möglicherweise schon Realität.

Ich habe in den letzten Wochen die Leser meines Blogs dazu befragt, was sie von der Vergemeintschaftung der Schulden in Europa halten. Hier ist das Ergebnis (Mehrfachnennungen waren möglich):

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Wäre das eine repräsentative Umfrage, könnte für die Meinung der Deutschen zum Euro-Drama folgendes Fazit gezogen werden: Eine Vergemeinschaftung der Schulden aller Euroländer bedroht das Gebilde Europa. Einige Optimisten glauben, oder hoffen, dass Deutschland durch die Schuldenkrise und die angestrebten Maßnahmen in der EWU wenigstens mehr Macht und Einfluß auf dem Alten Kontinent gewinnen kann. 

 

Viele glauben, alles nicht so schlimm, Deutschland hat bisher auch genug vom Euro profitieren können. Ich denke, es muss bei diesem Thema erstmal zwischen deutscher Exportwirtschaft und dem Rest der Deutschen unterschieden werden. Außerdem sollte ganz genau geklärt werden, welcher Anteil am wirtschaftlichen Erfolg kann tatsächlich nur dem Euro zugerechnet werden? Auch wenn die Politik behauptet, dass wir dem Euro wirtschaftlich viel zu verdanken haben, ist Vorsicht geboten. Außerdem ist die Story Euro noch nicht zu Ende geschrieben, und die Gesamtbilanz ist nur eine Momentaufnahme. Die Endabrechnung könnte noch kommen und eine andere Sprache sprechen.

Klar ist, Deutschland kann bei dieser Krise fast nur verlieren. Finanziell muss es bluten, so oder so. Damit zahlen wir Steuerzahler den Preis für die verkorkste Währungsunion in ihrer jetzigen Ausgestaltung, welche uns von der Politik schon bei der Einführung als angeblich alternativlos verkauft wurde und heute noch wird - und über deren Verwirklichung kein einziger Staatsbürger selbst bestimmen konnte.

Abseits vom Finanziellen sieht die Sache nicht besser aus. Solange wir Bedingungen an unsere Transferzahlungen knüpfen, sind wir im europäischen Ausland wieder die Nazis. Stellen wir die Zahlungen hingegen ein, werden wir für die Zerstörung des europäischen Traumes verantworlich gemacht. Selbtsaufgabe scheint der einzige Ausweg, dann aber werden wir den Respekt anderer Nationen verlieren.

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