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Hohe Inflation in Europa gewollt?

13. Dezember 2011 , Geschrieben von Der Risikomanager Veröffentlicht in #EuroKrise Finanzsystem

In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärt Martin Siegel (Stabilitas GmbH), dass sich die Politik in der Europäischen Union längst darauf verständigt haben dürfte, hohe Inflationsraten in der mittelfristigen Zukunft in Kauf zu nehmen. Aus seiner Sicht ist es für die Regierenden der einfachste Weg, dem Schuldenschlamassel Herr zu werden und die Währungsgemeinschaft in der jetzigen Form zu retten.

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Image: renjith krishnan / FreeDigitalPhotos.net

Je mehr Geld durch die Notenbank "gedruckt" wird, desto stärker ist der Vertrauensverlust der Menschen in ihre Scheinchen und sie fangen verstärkt an, ihr Geld in die Gütermärkte zu investieren, solange es noch einen Wert besitzt. Dieses Vorgehen so Siegel, führt unweigerlich zu erhöhtem Preisdruck. Die Ansicht vieler Politiker, die Inflation kontrollieren zu können, ist ein Irrglaube. Großbritannien hat bereits Inflationsraten von rund 5%.

Die Verlierer werden dabei die Rentner, Sparer und Arbeitnehmer sein - deren Vermögen weginflationiert wird. Auch wenn Bundesbank und Regierung weiter Preisstabilität in der Eurozone beschwören: Für ihn ist es unseriöses Gerede und er glaubt ihnen kein Wort.

Ich stimme mit seiner Einschätzung in vielen Punkten überein, denn für die Politik ist erhöhte Inflation in der Tat der bequemste Weg ihre Staatsschuld wieder "tragfähig" zu machen. Schlicht deshalb, weil die Enteignung schleichend stattfindet und für die Betroffenen nicht sofort spürbar ist und die Gruppe der Sparer, Rentner und privaten Vorsorger die schwächste Lobby im System haben. 

An die harte, offensichtliche aber gesunde Alternative - nämlich Schuldenschnitte in großem Ausmaß - wird sich die Politik aller Voraussicht nach nicht herantrauen.

Es bleibt dennoch abzuwarten, ob eine absichtlich herbeigeführte Steigerung der Inflationsraten im gesamten Euroraum tatsächlich funktionieren wird. Zu beachten ist auch, dass der Interviewte ein echtes Interesse daran haben dürfte, dass die Leute Angst vor Geldentwertung bekommen, da seine Firma mit Gold handelt. Gerade in der Finanzindustrie sollte ein Anleger als erstes darauf achten, wer was sagt und nicht nur darauf, was jemand von sich gibt.

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