Coin Flip Blog

Hellas - Wahl: Griechenland am Abgrund? Sowieso...

15. Juni 2012 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Common

...aber nicht unbedingt der Euro.

In den letzten Tagen dreht sich fast alles um die Neuwahlen der Griechen am kommenden Sonntag. Glaubt man den Schreiberlingen und TV Leuten, so hängt das Schicksal ganz Europas an diesem Urnengang. Vor einem Ausraster der Finanzmärkte wird genauso gewarnt, wie dem Worts Case Fall schlechthin: dem Euro - Crash.

Anscheinend wurden nun auch die wichtigen Zentralbanker so nervös, dass sie gestern schonmal vorab neue Geldspritzen ankündigten, sollte das Wahlergebnis nicht den Wünschen der Gläubiger entsprechen. Wie klug so eine Vorabankündigung tatsächlich ist, schwer zu sagen. Vielleicht hat da schon einer die Nerven verloren?

Mit dem billigen Geld ist es wie mit dem Antibiotika: Zu oft verabreicht...na, sie wissen schon, mutiert es zum multiresistenten Tripper.

Für den klugen Marktteilnehmer heisst es jetzt, sich der Mainstream Panikmache zu entziehen dafür lieber nüchtern den Fakten ins Auge blicken.

Fakt I: Die Finanzmärkte haben seit Anfang Mai Zeit gehabt sich die dollsten Szeanrien auszumalen. Wenn auch nicht das Allerschlimmste erwartet werden wird, so ist ein Sieg der Bailout Gegner in Griechenland antizipiert - sprich: eingepreist. Die Chartverläufe des Euro in den vergangenen Wochen, aber auch der Rohölpreis, Bondrenditen und die Aktienmärkte unterstreichen diese Annahme.

Fakt II: Auch die Partei von Alexis Tsipras spricht sich im Grunde nicht gegen den Euro aus. Sie wollen lediglich die Bailout Bedingungen neu verhandeln und den Euro dennoch möglichst behalten.

Natürlich kann ein klarer Sieg seiner Partei dazu führen, dass EU/IWF den Geldhahn der Griechen zudreht, weil es ja bis jetzt danach aussieht, als würde es aus Sicht der EU nichts nachzuverhandeln geben. Aber wer weiss das schon so genau, wahrscheinlich noch nicht mal die Verwantwortlichen. Da die EU selbst Angst vor den Auswirkungen eines mehr oder weniger ungeordneten Staatsbankrotts der Griechen hat, wird sie sich hüten, vorschnell zu reagieren.

Das Basisszenario sieht für mich demnach in etwa so aus: Im Falle eines Wahlsiegs von Tsipras werden die Offiziellen aus EU und IWF dem neuen starken Mann in Hellas eine weitere letzte Chance einräumen. Er wird eine Schonfrist bekommen, um seine geplanten Aktionen genau abzuwägen und verbindlich Stellung zu beziehen. Was sich daraus  dann entwickelt, ist zu dieser Stunde noch nicht sicher zu überblicken. Vorausgesetzt die Bailout Gegner machen wirklich ernst, wird den Griechen evtl. ein Angebot unterbreitet werden, sie bei einem Austritt aus der Währungsunnion möglichst umfassend zu unterstützen, damit es in geordneten Bahnen ablaufen kann. Das wäre dann schlicht und einfach ein versuchter Rausschmiss aus der Euro-Zone. Offiziell absägen ist laut EU - Verträgen nämlich gar nicht so einfach realisierbar und der EU Verbund muss daher den Südeuropäern den Abgang versüßen. 

Für nächste Woche sollte das Überraschungspotential im Zuge der griechischen Schicksalwahl erstmal auf der "Longseite" liegen - bei den Staatsanleihen vice versa. Bei dieser ängstlich nervösen Stimmung kann natürlich immer etwas übertrieben emotionales passieren. Ein guter Finanzjongleur - pardon, -akteur ist aber zumindest auf alle denkbaren Situationen bestmöglich vorbereitet. So, be prepared für den nächsten Akt im Euro - Dra(ch)ma.

Diesen Post teilen

Kommentiere diesen Post