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Hat Europa die Schulden-Krise überwunden? Machen sie sich selbst ein Bild!

23. Oktober 2014 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #EuroKrise Finanzsystem

Nervöse Märkte, Bankenstresstest, magere Konjunkturdaten. Welcher Politiker riskiert in diesem Umfeld gerne einen  Blick in die europäische Schuldenstatistik. Diese Typen erzählen stattdessen was von überwundenen Krisen. Ob es stimmt oder nicht, egal, hauptsache die Leute schlucken es. Ich riskiere dafür gerne einen Blick, ohne rosarote "Selbstbelügewählerverarschebrille".

Die Daten hat Eurostat veröffentlicht. Sie beinhalten die Entwicklung der Haushalte und der Staatsschulden von 2010 bis Ende 2013. Die wichtigen Zeilen in der Tabelle habe ich farbig markiert. Achten sie auf die Dynamik der Veränderungen und die Trends in den Zahlenreihen. Grün steht für eine gesunde Tendenz, blau für stabile Zahlen und rot für destruktive Dynamik. Während die ersten beiden Unterstriche das Haushaltsdefizit hervorheben, zeigen die letzten beiden Zahlenreihen die Entwicklung der absoluten und relativen Staatsschulden. Und jetzt lass ich Zahlen sprechen...

vorne weg ein Gesamtüberblick über Europa:

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  Dann die "Musterschüler":

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Und zum Schluß die "Klassenclowns":

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Es bleibt festzuhalten: Finanziell solide aufgestellt ist vorne weg Lettland dann noch Luxemburg, Dänemark und Deutschland. Ob Deutschland zu dieser Gruppe gehört, ist allerdings nicht eindeutig zu bejahen. Unser Land schreibt auf dem Papier zwar eine schwarze Null, diese Null ist aber absolut auf Kante genäht. Außerdem sind die deutschen Gesamtschulden weiterhin klar über den 60%, welche sich die EU als Messlatte für finanziell gesunde Staatsfinanzen auferlegt hat. Es scheint EU weit allerdings zumindest einen Trend zur Haushaltskonsolidierung zu geben. Merkels "Spardiktat" sei Dank. Merkels Kurs hat jedoch mittlerweile viele Gegner, auch außerhalb Europas. Nicht gerade eine Beruhigungspille für alle Verfechter von ausgewogenen Staatsfinanzen.

Die unschöne Wahrheit der Zahlen ist klar zu sehen: So gut wie kein Staat innerhalb der EU konnte seine absoluten Schulden oder die relative Schuldenquote (Schulden/BIP) verringern. Auch nicht die kleinen Länder und die jüngsten EU Mitglieder. Deutschland bildet hier - neben Lettland - die Ausnahme und hebt sich damit von den anderen ab. Unsere Regierung käme im aktuellen Zinsumfeld so günstig wie noch nie an frisches Geld von Investoren. Wie lange sich unsere "Berliner Truppe" da wohl noch zurückhalten kann, vor allem die SPD?

Erwähnenswert auch die Schuldenquote in Spanien und Irland sowie Griechenland und Zypern. Die Politik bescheinigt diesen Ländern tolle Fortschritte bei der Überwindung der Krise. Wer genau hinsieht erkennt, grade in diesen wirtschaftlich gebeutelten Staaten ist die Staatsschuld seit 2010 mit einer besonders heftigen Dynamik angestiegen. Wohlgemerkt trotz aller Hilfen der EU und Sparanstregungen der jeweiligen Regierung. Bei den "Klassenclowns" kann nur Italien beim Defizittrend als einigermaßen stabil eingeschätzt werden. Bei allen anderen, inklusive Frankreich, verharrt das Haushaltsdefizit trotz "stabilen Trends" (blauer Unterstrich) auf unappetitlich hohem Niveau und weit oberhalb der EU Richtschnur von 3% (Haushaltsdefizitgrenze). Oben drauf schrumpft die Wirtschaftskraft der meisten Krisenstaaten (erste Zahlenreihe). Ein gefährliches Gemisch im Hinblick auf tragbare Staatsschulden in der Zukunft.

Fazit: Welche Überwindung einer Krise die da in Brüssel ausgemacht haben wollen, wird mir beim betrachten dieser Zahlen nicht klar. Die Schuldenkrise können sie auf alle Fälle nicht gemeint haben.

 

Quelle: Eurostat

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