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Goldman Sachs und Co umgehen Derivate Regulierung

28. März 2013 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Common

Ab 2014 gelten in Europa neue Regeln für den Handel mit Derivaten. Die Neuregelung ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise von 2008 und sie soll dazu beitragen, einen zukünftigen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern.

Doch wie so oft bei staatlichen Eingriffen kann es dazu führen das Probleme nur verlagert werden.

Nach den neuen Verodnungen sollen Clearing - Stellen in Zukunft beim Handel mit abgeleiteten Finanzprodukten als eine Art Treuhänder zwischen zwei Counterparts fungieren. Wenn sich also zwei Marktteilnehmer entschließen ein Derivategeschäft abzuschließen, wird das involvierte Clearing Haus sicherstellen, dass die jeweils andere Seite auch seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Um diese Garantie leisten zu können, verlangt die Clearingstelle Sicherheiten der Beteiligten. In erster Linie werden dafür Staatsanleihen sehr guter Bonität verwendet. Damit ausreichend Gegenwert vorhanden ist, erfodert das große Beträge als "Pfand" für ein Derivat Geschäft. Um den Bedarf für sämtliche Transaktionen zu decken stehen wohl kaum genug werthaltige Anleihen bereit. Der Derivatemarkt hat insgesamt deutlich mehr Volumen als die Wirtschaftsleistung der Industrieländer.

Die großen Wallstreet Banken haben sich jetzt aber etwas einfallen lassen, damit weiterhin möglichst viele Derivate gehandelt werden können, selbst wenn den beteiligten Parteien die Sicherheitsleistungen für ein Geschäftsabschluß fehlen.

Die Lösung: Große Banken wie Goldman Sachs bieten den Interessierten ein Leihgeschäft an. Dabei tauscht die Bank Staatsanleihen erster Güte aus ihren eigenen Beständen für schlechtere Produkte aus den Depots der Derivate Händler ein. Um das Risiko dieser brisanten Aktion für die Großbank zu reduzieren, verlangen diese dafür von den Counterparts hohe Gebühren und obendrauf Zinsen.

Je nachdem wie schlecht die Qualität des Pfands war, bekommt die Bank aber dennoch ein Problem sollte ein Derivate Händler bankrott gehen. Bei großen Deals oder gehäuften Zahlungsausfällen kann das ein Gefahrenpotential für die Bank bedeuten, wenn sie die minderwertigen Wertpapiere selbst nicht mehr verkaufen kann bzw nur zu einem sehr niedrigen Preis los bekommt. Akkumulieren sich diese Bestände an Schrottpapieren in den Bankbilanzen, könnte es durchaus zum Lehman Brothers Revival kommen. Damals waren es verkappte Subprime Kredite die das System fast aus den Angeln hoben. Beim nächsten Mal sind es vielleicht die abgehalfterten Staatsschuldpapiere aus Pleitestaaten oder ähnliche Depot - Minen, denn es steht den Banken frei, was sie letztlich als Pfand für ihre guten Papiere verlangen.

Die Befürchtung einiger Kritiker dieser Praktiken ist, dass die Großbanken in der Vergangenheit einen negativen Lerneffekt durchgemacht haben. Sie könnten jetzt nach dem Motto agieren: Lass uns die hohen Gebühren für die Leihgabe der Triple AAA Papiere einstreichen. Bekommen wir unsere minderwertigen Tauschpapiere tatsächlich nicht mehr los, drohen wir einfach wieder mit der Systemrelevanz und lassen uns erneut vom Steuerzahler raushauen. Ich würde meinen, ganz unberechtigt ist diese Annahme nicht.

Fazit: Der Gesetzgeber sollte sich schleunigst Gedanken machen, wie er auch große Geldinstitute System unbedenklich abwickeln kann. Hat er hierfür eine Strategie gefunden, ist das mit Sicherheit das beste Rezept gegen sämtliche Übertreibungen und Machenschaften dieser Branche. Es muss nicht alles reguliert sein, es kann auch nicht alles reguliert werden, aber wenn Risiko und Haftung wieder in die richtige Relation kommen, reguliert sich das meiste von selbst und die Marktwirtschaft hat ihren Namen wieder verdient.

Quelle: Zeit-Online

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