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Gehts noch? Euro-Weichspüler aus Frankfurt vernichten mutwillig deutsche Kaufkraft

24. September 2014 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #EuroKrise Finanzsystem

In den letzten Monaten versucht die EZB in Frankfurt unter Führung des Italieners Mario Draghi mit einem neuen unkonventionellen Maßnahmenpaket die wirtschaftliche Stagnation im Euroraum zu bekämpfen. Zu den jüngsten Aktionen gehörte eine zweistufige Leitzinsseknung im Juni und Anfang September auf nunmehr 0,05% - damit wurde der Leitzins in der EU praktisch abgeschafft - sowie eine Neuauflage der "Dicken Bertha". Dies ist der Name für besonders günstige Kredite, welche Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt werden, damit diese sich mit extrem billigem Geld eindecken können. Bereits einige Zeit früher drehte die EZB an einer anderen Schraube und setzte den Einlagenzins für Cash Bestände von kommerziellen Banken bei der EZB auf einen negativen Wert. Diese Maßnahme bestraft Privatbanken, wenn sie Geld bei der EZB horten und lenkt somit bewußt Geldströme. Zusätzlich lässt Herr Draghi nun auch noch ein Wertpapier-Ankaufprogramm für verbriefte Kredite vorbereiten. Im Klartext heisst das: Die EZB will europäischen Privatbanken ihren "Müll" aus den Bilanzen kaufen um wieder Vertrauen in das Bankensystem zu etablieren. Die Risiken eines Kreditausfalls gehen dann in letzter Instanz auf den Steuerzahler über, der für die marode Wirtschaft in den Pleitestaaten und deren Banken geradezustehen hat.  Ein groß angelegtes Aufkaufprogramm von Staatsanleihen, also Staatsschulden, steht  ebenfalls im Maßnahmenkatalog der Europäischen Zentralbank. Wer diese Zeilen liest, weiss, der Geist der Bundesbank scheint erfolgreich aus dem Eurotower in Frankfurt gejagt worden zu sein.

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Folgenden Gedankengang möchte ich zu diesem Thema vortragen: Herr Draghi ist ein intelligenter Mann, der sein Handwerkszeug u.a. bei Goldman-Sachs gelernt hat. Es muss also angenommen werden, auch er weiss, seine Maßnahmen zur Stimmulierung der Wirtschaft in Europa werden größtenteils verpuffen. Viele Experten bescheinigen diese Annahme. Die EZB hat ihre Stellschrauben bereits auf Anschlag gedreht, der Spielraum ist mehr als beengt.  Warum riskiert er die Schrauben seiner Geldpolitik dennoch zu überdrehen und das Mandat der EZB immer deutlicher zu überschreiten?

Hierfür gibt es nur eine gute Erklärung: Draghi kommt zunehmend unter politischen Druck aus den wirtschaftlich angeschlagenen Eurostaaten. Vor allem, weil die Inflation im Euroraum zu niedrig ist, um langfristig die Schuldenlast dieser Problemstaaten in Schach halten zu können. Wohl eher nicht so sehr, wie Draghi behauptet, weil eine akute Gefahr besteht, dass Europa eine destruktive Deflationsspirale drohen würde (Kerniflation ist immer noch bei 0,9%). Deflation leistet in den Krisenstaaten der EU sogar einen positiven Beitrag, sie hilft, dort Wettberwerbsfähigkeit wiederherzustellen. Den Deutschen beschert eine sehr niedrige Inflation reale Zuwächse bei ihren Löhnen und steigert unsere Kaufkraft. Deflation ist nicht immer gleich eine Katastrophe für die Wirtschaft. Manchmal hilft ein Blick zum Nachbarn: In der Schweiz sind die Verbraucherpreise seit gut fünf Jahren unter dem Strich gefallen. Ist die Schweiz dadurch kollabiert? Mitnichten.  

Ein weiteres Argument für Draghi Geld zu drucken ist der Euro-Wechselkurs. Fällt der Eurokurs steigen die Exporte der Euroländer ins nicht EU Ausland. So jedenfalls die Einschätzung der Währungshüter und Politik. Studien haben ergeben, für Deutschland sollte dieser Effekt am geringsten ausfallen. Warum? Weil Deutschlands Wirtschaft sehr viele hochpreisige Hightech Produkte produziert. Diese werden auch ohne 'Währungsrabatt' gekauft, da die Abnehmer für Qualität bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen.

Wie auch immer: Europa nimmt - nach einigem Zögern - nun auch am globalen Währungskrieg teil. Leider werden am Ende alle großen Industrieländer in diesem Abwertungswettlauf Verlierer sein. Vielleicht kennst du ja eine Möglichkeit, wie die Erde gegen den Mars abwerten kann, um die hiesige Wirtschaft zu retten? Der Nobelpreis in 100facher Dotierung wäre dir sicher.

Für Deutschland war der Euro auch bei 1,40 nicht zu stark und unsere Kaufkraft entsprach bisher schon nicht unserem wirtschaftlichen Leistungsstand, zumindest innerhalb der EU. Für viele Peripherie-Staaten der EU ist unsere Gemeinschaftswährung allerdings auch jetzt noch überbewertet. Ein absolutes Dillemma für die EZB. Selbst wenn ein niedriger Wechselkurs kurzfristig Exportgeschäfte unterstützt, ist es zweifelhaft, ob eine Weichwährung langfristig sinnvoll für einen Wirtschaftsraum sein kann. Japans geldpolitischer Amoklauf dient hier als hervorstechendes Negativbeispiel. Seit den 90er Jahren fährt Nippon eine extrem expansive Geldpolitik. Bis auf kurze Strohfeuer, konnte dies die japanische Wirtschaft nicht aus ihrer mittlerweile langfristigen Stagnation befreien. Früher oder später werden die Menschen dort dafür unter importierter Inflation leiden. Auch wenn es lange Zeit nicht zu Inflationsdruck kommen muss, da gleichzeitig auch andere Staaten niedrigen Preisauftrieb vorweisen, drohen letzten Endes Wohlstandsverluste auf breiter Front bis hin zum Vertrauensverlust in die eigene Währung.

Selbst wenn das Gelddruckexperiment in Amerika besser zu funktionieren scheint: Es ist schlichtweg nicht auf die EU übertragbar, weil die hiesigen Rahmenbedingungen andere sind und die USA eine Sonderstellung genießt: Amerikas Dollar ist die Weltleitwährung. Ohne diesen Status wären die USA wahrscheinlich schon finanzpolitisch über die Klippe gegangen.

Was Europa angeht, muss sich die EZB zwangsläufig am schwächsten Glied der Gemeinschaft orientieren - nicht am stärksten, denn sie will ja weiterhin die wirtschaftlich völlig heterogene "Währungskette-Euro" zusammenhalten. Die EZB antizipiert lediglich eine sich abflauende Aktivität in der Weltwirtschaft. Draghi sorgt also für den Fall vor, wenn der Druck der Investoren auf die europäischen Schuldnerländer erneut ansteigen wird. Ohne offizielle Eurobonds und Bundesstaat im Rücken, ist die EZB nun mal Europas ultimatives Rückschlagventil gegen den vermeintlich unsolidarischen und nicht gerechtfertigten Druck der Finanzmärkte auf Schuldensünder. Vor diesem Hintergrund macht Draghi alles richtig. Deutschlands Politiker sollten wegen Draghi also lieber nicht rummaulen. Unsere Politik unterstützt ja gerade eben den Erhalt dieses fragwürdigen Euro-Konstruktes.

Interessant für den "Deutschen Michel" sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Research-Abteilung einer französischen Bank (Naxis)- wohlgemerkt eine französische Investmentbank, also per se nicht gerade Unterstützer deutscher Ansichten - welche zu dem eindeutigen Schluß kommt: Alle jetzigen Aktionen der europäischen Notenbank wenden sich gegen deutsche Interessen und spielen den Euro-Problemstaaten in die Hände.

Aber auch die deutsche Allianz Versicherung zieht aus der Analyse ihrer Daten der vergangenen Jahre ein ganz ähnliches Fazit wie die Franzosen. Demnach haben die deutschen Sparer seit 2010 durch die Niedrigzinspolitik der EZB ca. 23 Milliarden Euro an Zinsverlusten verbuchen müssen. Für die Allianz sind Finnland, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal die Hauptprofiteure der EZB-Politik, denn hier wurden die Schuldner durch niedrigste Zinsen entlastet. Professor Hans Werner Sinn vom Ifo Institut in München beziffert den bereits entstandenen Schaden für die Sparer hierzulande seit 2008 sogar auf mehr als 300 Milliarden Euro. Schuld daran ist die dauerhafte Nierdigszinspolitik der EZB, so Sinn.

Ich schätze, Herr Schäuble und Frau Merkel werden solche Analyseergebnisse nicht in ihren Reden vor dem Bundestag aufgreifen. Frau Merkel lobt dieser Tage lieber die angeblichen Fortschritte der Griechen bei der Überwindung ihrer Krise. Tja, es kann so schwer sein, den Wählern reinen Wein einzuschenken.

 

Quelle:  n-tv; Handelsblatt-online

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