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Feldversuch Finanztransaktionssteuer

5. August 2012 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Trading

Frankreich hat diesen Mittwoch den Alleingang vollzogen und eine Börsensteuer eingeführt. Die Franzosen liefern uns damit einen schönen Feldversuch vor der Haustür.

Die Politik argumentiert neben den finanziellen Aspekten vor allem aus einem Grund für die Einführung einer Transaktionssteuer: Sie dämmt den Hochfrequenzhandel ein und senkt damit die Volatilität der Märkte. Es wird Spekulanten erschwert, ihr Unwesen zu treiben und die überschuldeten Staaten in die Enge zu treiben. Eine völlig logische Argumentation für Leute, die tatasächlich daran glauben, dass für die aktuelle Schuldenkrise die Spekulanten verantwortlich sind. 

Ob diese Steuer nun tatsächlich die Kursschwankungen beruhigen kann, lässt sich jetzt zum Glück leicht beobachten.

Da die ehemalige Sarkozy - Regierung den Handel mit sämtlichen Aktien von Unternehmen mit Stammsitz in Frankreich und einer Marktkapitalisierung von über einer Millirade Euro, mit dieser Steuer belasten wollte, ist ein Umgehen der Steuer beim direkten Handel mit diesen Aktien über eine der offiziellen Börsen, praktisch nicht machbar. Dadurch lässt sich der Effekt dieser Steuer - deren Satz zur Einführung sogar nochmal verdoppelt wurde (0,2%) - sehr gut nachvollziehen.

Um die Auwirkungen der Börsensteuer zu dokumentieren, wähle ich als Beispielaktie die die Credit Agricole aus dem CAC40 (ACA) aus. Eine stark gehandelte und geschundene Bankaktie, die den bösen Mächten der Märkte in der Vergangenheit hilflos ausgeliefert war.

Die durchschn. tägliche Schwankungsbreite wird durch die Berechnung der Average True Range wiedergegeben. Der Verlauf dieses Wertes ist im Unterchart bildlich dargestellt. Die rote horizontale Linie bzw Rechteck markiert das Datum, an dem die französische Finanztransaktionssteuer erstmals erhoben wurde (1. August 2012).

acafts.jpg

Behalten die superschlauen Politiker Recht, muss die Average True Range in den kommenden Wochen deutlich nach unten gehen. Warten wirs einfach mal ab.

Leider haben sich die Franzosen nicht gleich zweimal ins Bein geschoßen und den Handel mit ihren Staatsanleihen ebenfalls besteuert. Warum eigentlich nicht? Diese Märkte wollen die Politiker ja eigentlich mit einer Besteuerung von Wertpapiergeschäften wieder unter "Kontrolle" bringen.

 

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