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EU Kommission wandelt bei der Finanztransaktionssteuer auf schmalem Grad

9. März 2012 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Common

Den Kontrakt Rollover im Bund Future am gestrigen Tag nutze ich mal dazu, um zu zeigen, wie ein Markt nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer aussehen kann. Das ist möglich, weil am Fälligkeitstag eines Futures Kontrakts die Liquidität stark zurückgeht.

Kursverlauf März vs Juni Kontrakt im Vergleich

März Kontrakt 1m

ftschart.png

Juni Kontrakt 1m

nonftschart.pngGut zu erkennen ist, dass sich die absolute Ausdehnung (Tagesvolatilität) der Marktbewegung mit wenig Liqudität im Markt kein Deut verändert hat. Beide Kontrakte liefen im betrachteten Zeitraum fast exakt 45 Ticks nach unten.

Wer genau hinsieht macht jedoch einen Unterschied aus. Es ist die Art und Weise wie sich beide Terminkontrakte bewegt haben.

Während der Junikontrakt seine Abwärtsbewegung sauber, solide und berechenbar vollzog (also auf allen Preisebenen ausreichend Transaktionen durchgeführt wurden), verhielt sich der Märzkontrakt mit wenig Liquidität dagegen ekstatisch und unberechenbar.

In plötzlichen Kurssprüngen von bis zu 8 Ticks führte dieser Markt einen Eiertanz auf, den kein seriöser Investor - aus berechtigten Gründen - auch nur im geringsten vorfinden möchte. Von solchen Märkten geht keine Attraktivität für irgendeinen Marktteilnehmer aus. Die Konsequenz: Vor allem die Profis wenden solchen Märkten den Rücken zu, weil sie ihr Risiko bei einer solchen Preisstellung nicht mehr realistisch kalkulieren können.

Ob die Märkte nach der Einführung einer Finanztransaktionssteuer tatsächlich einen derart desolaten Zustand aufweisen werden, hängt ganz entscheidend von der Höhe des Steuersatzes ab. Wird er in einem vernünftigen Verhältnis zu den normalen Handelskosten festgesetzt, könnten sich wohl die meisten Marktakteure damit anfreunden.

Aus den hier vorgebrachten Befürchtungen heraus, sind aktuell dann auch wirklich nur 0,01 bzw 0,1% auf den Umsatz einer Transaktion angedacht.

Und in der Tat: Dieser Steuersatz hört sich mickrig an. Im Verhältnis zu den aktuellen Handelskosten sind allerdings selbst diese "niedrigen" Steuersätze ne Menge Holz. Und das nicht nur vom Standpunkt eines Hochfrequenzhändlers aus gesehen.

Die Europäische Kommission wandelt bei der Ausgestaltung einer umfassenden Finanztransaktionssteuer - nur im Euroraum - auf einem schmalen Grad zwischen notwendiger Beteiligung des Finanzsektors an den Krisenkosten der letzten Jahre (ist vernünftig, steht wohl außer Frage) und gravierenden Nachteilen für die von der Steuer betroffenen Volkswirtschaften.

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Stefan Wehmeier 03/14/2012 14:41

Die Irrelevanz der Moral

Die nicht existierende Polarität "gut oder böse", an die kleine Kinder von dummen Eltern, zweitklassige Filmregisseure, Schmalspur-Philosophen und Theologen glauben, hat schon viele unkritische
Systemkritiker zu dem Denkfehler verleitet, dass die "Reichen und Mächtigen" dieser untergehenden Welt "gegen" die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) wären und darum
durch einen wie auch immer gearteten "Volksaufstand" dazu gedrängt werden müssten. Tatsächlich können sich diese Patienten aufgrund ihrer "gesellschaftlichen Position" aber nicht einmal ansatzweise
in den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation hineindenken!

Angenommen, Frau Dr. Merkel würde von der so genannten öffentlichen Meinung dazu gedrängt, in Deutschland ein allgemeines Bodennutzungsrecht sowie eine konstruktiv umlaufgesicherte Indexwährung
einzuführen, um die "Finanzkrise" zu beenden. Die "mächtigste Frau der Welt" hätte keine blasse Ahnung, wie sie das praktisch umsetzen sollte, ohne dabei eine Katastrophe in der Katastrophe
auszulösen, und sie würde auch keine studierten "Wirtschaftsexperten" finden, die sie in dieser Angelegenheit beraten könnten, weil die gesamte universitäre Volkswirtschaftslehre nur aus
Denkfehlern besteht.

Die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung ist eine Frage des Bewusstseins und nicht des "politischen Klassenkampfes". Das (noch) bestehende, kapitalistische System zerstört sich
gegenwärtig von selbst. Es kommt allein darauf an, dass noch während des bevorstehenden globalen Zusammenbruchs "Der Weisheit letzter Schluss", der nicht in Frage gestellt werden kann und über den
es nichts zu "diskutieren" gibt, zuerst im Internet und dann auch in anderen Massenmedien soweit verbreitet wird, dass eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform in der Bundesrepublik
Deutschland professionell durchgeführt werden kann, bevor die Weltwirtschaft ganz zusammenbricht. Weil Zinsgeld-Ökonomien (zivilisatorisches Mittelalter) gegenüber der Natürlichen
Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) in keiner Weise konkurrenzfähig sind, bleibt dem "Rest der Welt" dann gar keine andere Wahl mehr, als die Natürliche Wirtschaftsordnung ebenfalls
zu verwirklichen.

"…viele Erste werden Letzte sein…" Wer die folgende "Achterbahnfahrt fürs Gehirn" hinter sich hat, wird auch diese Weisheit verstehen können:

http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

The Risk Manager 03/14/2012 20:08



"zuerst im Internet und dann auch in anderen Massenmedien soweit verbreitet wird, dass eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform in der Bundesrepublik Deutschland professionell durchgeführt
werden kann"

Und wie soll das dann genau in der Praxis ablaufen? Wie wird so eine Operation am offenen Marktwirtschaftsherzen konkret durchgeführt? Wo befinden sich die fähigen Leute dafür, also die wahren
Wirtschaftsexperten?

Leider interessieren sich die meisten Menschen nicht für theoretische, komplexe Modelltheorien. Es wird verflixt schwer werden, ein über Jahrhunderte gefestigtes Bewußtsein bei den Menschen in
der kurzen Zeit vor dem Kollaps zu verändern und ihnen die Bibel neu zu predigen.

"Der Weisheit letzter Schluss", der nicht in Frage gestellt werden kann und über den es nichts zu "diskutieren" gibt"

Sie scheinen eindeutig einer der ganz ganz ganz wenigen zu sein, der den ultimativen Durchblick hat. Chapeau. Hut ab!

Sie sollten nicht ihre Zeit mit schreiben in meinem Blog vergeuden. Deligieren sie die "Drecksarbeit" im Netz an Gleichgesinnte ab und gehen sie selbst an die Öffentlichkeit. WWF, Bankenkongress,
Bundestag, Podiumsdiskussionen, Fußgängerzonen etc. Die Uhr tickt.



Stefan Wehmeier 03/12/2012 15:00

Investition: Eine Geschäftsbank verwendet die mittel- bis langfristigen Einlagen von Sparern für Kredite an Unternehmer, die in neue Sachkapitalien - und damit in Arbeitsplätze - investieren.

Spekulation: Eine Geschäftsbank betreibt mit den kurzfistigen Einlagen auf Girokonten Warentermingeschäfte.

Damit will ich nicht sagen, dass Geschäftsbanken etwa aus "bösem Willen" spekulieren, sondern weil sie aufgrund eines global sinkenden Kapitalmarktzinses - der aus der Sachkapitalknappheit
resultiert und nicht durch irgendeinen "Leitzins" bestimmt wird - dazu gezwungen werden, um im (noch) bestehenden System zu überleben.

In einer langfristig stabilen und innovativen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) muss alles gesparte Geld auch bei einem Kapitalmarktzins um Null im Eigeninteresse der Sparer
mittel- bis langfristig verliehen werden, damit es in neue Sachkapitalien investiert werden kann. Dazu bedarf es einer konstruktiven Geldumlaufsicherung in Verbindung mit einem allgemeinen
Bodennutzungsrecht:

http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf

The Risk Manager 03/14/2012 13:50



Schön zu hören: Selbst ein Antikapitalist ist vom Nutzen einer Börsensteuer nicht überzeugt.

Ich habe mich bei der Unterscheidung von inv vs spek auf den Finanzmarkt bezogen. Hier gibt es eigentl. keinen Unterschied.
Mit dem Thema der "ESM" kenne ich mich zwar nicht extrem gut aus. Jedoch hat der Ansatz der echten sozialen Marktwirtschaft einige schlüssige und gute Argumente auf seiner Seite - ohne Zweifel.
Bei Einigen Ausführungen in ihrem Text bleibt bei mir allerd. auch ein komisches Gefühl zurück.

Wenn etwas von Leuten nur in einem positiven Licht dargstellt wird, was uns das Paradies auf Erden beschert, werde ich immer etwas skeptisch.

Nichstdestotrotz sehe ich einige der von ihnen genannten Kritikpunkte am Kapitalismus als absolut berechtigt an.
Allein der Glaube an einen tiefergreifenden Systemwechsel fehlt bei mir - trotz möglichem Kollaps.

Der Mensch ist von Natur aus machtgeil, und berauscht sich daran. Er wird in letzter Instanz von Emotionen und Trieben geleitet, nicht vom Verstand.
Aus diesen Gründen werden die bereits Mächtigen einen gravierenden Systemwechsel - im eigenen Interesse - einmal mehr zu verhindern wissen. Sie haben es schon oft genug geschafft.

Die wahre Tauglichkeit eines theoretischen Modells zeigt sich immer erst in der harten und komplexen Praxis. Dafür braucht es in der Tat Mut.

Nur: Die zwei Begriffe Mut und Politik harmonieren leider auch nicht wirklich, solange die Wiederwahl der Politkasper gefährdet ist. Und was das in der Praxis heisst, ist eindeutig: Ein echter
Systemwechsel muss demnach vom Volk ausgehen, nicht von der "hohen Politik". Der Atomausstieg ist ein Paradebeispiel hierfür. Alles auf die Politik abschieben ist auch zu einfach. Letztlich
bekommt das Wahlvolk die Politik, die es verdient hat.



Stefan Wehmeier 03/11/2012 12:37

Die „Finanzkrise“ ist nichts anderes als ein Geldstreik, d. h. die Gemeinschaft der Sparer (das Finanzkapital) ist aufgrund eines global sinkenden Kapitalmarktzinses, der sich der
Liquiditätspräferenzgrenze nähert, immer weniger bereit, Geldersparnisse mittel- bis langfristig zu verleihen, bzw. sich vom Vorteil der Liquidität des Zinsgeldes zu trennen. Für Großsparer und
(Investment-)Banken wird die Spekulation lukrativer als die Investition, was die Volkswirtschaft zusätzlich schädigt, indem durch Spekulation künstlich verknappte Waren (z. B. Rohstoffe oder
Grundnahrungsmittel) sinnlos verteuert werden.

„Dümmer als die Polizei erlaubt“ sind alle von der hohen Politik oder anderen berufsmäßigen Wichtigtuern vorgeschlagenen Maßnahmen, die an der Versklavung der Intelligenz durch die Gemeinschaft der
Dummen nichts ändern: „Finanztransaktionssteuer“, „Regulierung der Finanzmärkte“ (was auch immer damit gemeint sein soll), „Kapitalertragssteuer“ u. ä. planwirtschaftlicher Unsinn. Die jeweiligen
Beweise, dass alle diese Maßnahmen die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Erbsünde) in keiner Weise angreifen, sondern nur die Freiheit aller zusätzlich
einschränken, sind so überflüssig wie die Maßnahmen selbst. Es reicht aus, den Beweis zu führen, dass eine konstruktive Geldumlaufsicherung die absolut beste „Regulierung der Finanzmärkte“
darstellt, ohne dass sich dadurch irgendwelche Nachteile ergeben.

http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/10/vollinvestition.html

The Risk Manager 03/12/2012 13:49



Spekulation und Investition als zwei verschiedene Sachen zu betrachten halte ich für falsch und ohne Spekulation würde sich allgemeinhin wenig bewegen im Leben.


Die Sache mit dem Geldstreik unterschreib ich sofort. Und das sämtliche Maßnahmen der Politik in keinster Weise zielführend sind, auch. Sie stellen vielmehr reine Verschleierungstaktiken dar.


"Parken" des Kapitals - zumindest ab einer bestimmten Höhe - muss bestraft werden. Ein wirklich wichtiger Punkt, sehe ich auch so.


Wie sieht denn in ihren Augen eine konstruktive Geldumlaufsicherung im Detail aus? Und haben wir dann noch das gleiche Wirtschaftssystem vor uns?