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EU Gipfeltreffen. Italien rückt ins Zentrum der Euro - Krise

25. Oktober 2011 , Geschrieben von Der Risikomanager Veröffentlicht in #Common

Griechenland haben die Finanzmärkte abgehakt. So gut wie alle Szenarien sind eingepreist. Stattdessen treten Italien und sein Bunga Bunga Capo unaufhaltsam ins Rampenlicht des Euro Kasperletheaters.

Die EZB kauft beständig Anleihen der Südeuropäer am Sekundärmarkt auf, um den Zugang zum freien Markt für die Italiener halbwegs finanzierbar zu halten. Merkozy erhöht kontinuierlich den politischen Druck auf Berlusconi, Sparanstrengungen ernshaft voranzutrieben. Doch wie es scheint, wird er Mittwoch dennoch ohne wirklich verbindliche Antworten in der Tasche, nach Brüssel düsen. Unter anderem auch, weil sein eigener Koaltionspartner - die Lega Nord - bockt.

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Die nun bevorstehende Hebelung der EFSF ist nichts anderes, als die Vorbereitung des Infusionsbestecks für die Italiener. Die drittgrößte europäische Volkswirtschaft galt bis jetzt als nicht zu retten, sollte auch sie in die Enge getrieben werden. Nochmal zum Vergleich: Griechenland ca. 340 Milliarden Staatsschulden. Italien knapp 2 Billionen Euro Miese, also annähernd soviel, wie Deutschland vorweisen kann.

Im Ernstfall wäre die EFSF- trotz Hebel - unterkapitalisiert und die finanziellen Möglichkeiten - auch Deutschlands - (über?)strapaziert. Die Politik setzt wohl auch auf einen psychologischen Effekt - der mit einer erhöhten Schlagkraft der Faszilität einhergehen könnte, und spielt mit dem Feuer. Nun setzen die Staatslenker also die gleichen Waffen ein, wie die bösen Finanzjongleure, und hoffen zudem auf deren finanzielle Unterstützung. Ob sich die "Jongleure" auch tatsächlich durch eine Teilkaskoversicherung von 20% auf Schulden anlocken lassen, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt. 

Griechenland derweil, versucht alles, um ein Schuldenschnitt zu umgehen und denkt nich im Traum daran, jemals wieder aus der Eurozone auszutreten, so scheint es. Naja, schließlich haben sie ja auch zum Eurostart beim pimpen ihrer Haushaltszahlen, keine Mühen gescheut. Ein so lohnendes Projekt gibt natürlich keiner gerne auf. Die Griechen selbst holen dagegen lieber schon mal ihr letztes Erspartes von der Bank ab. Schuldenschnitt ohne Euroaustritt? Dass wäre auch mal wieder so was Halbes und nichts Ganzes.

Schäuble, auf der anderen Seite des Kapitalstroms, versichert dem deutschen Steuerzahler zur gleichen Zeit, dass die bisher festgezurrte Haftungssumme von 211 respektive 440 Mrd. Euro - durch die Hebelung - nicht überstiegen wird. Gut, wird wohl was dran sein, weil es sich nicht um einen echten Hebel handelt. Wer allerdings die Grundgesetze der Natur kapiert hat, weiss, dass es für alles einen Preis zu zahlen gilt. Die berühmten zwei Seiten der Medaille. Dieses Gesetz wird auch unsere Bundesregierung nicht aushebeln können, und wenn der Hebelmechanismus noch so ausgeklügelt daherkommt. Den Steuerzahlern wird aber vorgegaukelt, dass es möglich ist, sich nur der vorteilhaften Seite der Medaille zu bedienen.

Kommt die "Hebelung" letztlich wirklich zustande und kann sich die psychologische Wirkung erfolgreich entfallten, sowie die Akteure beruhigen, dabei die angezählten Länder diese Zeit nutzen, um sich ernsthaft an den Schulden zu vergreifen, perfekt. Verfehlt jedoch die Hebelmaßnahme ihren Zweck, oder können die Staatshaushalte nicht schnell genug unter Kontrolle gebracht werden, wird es auf irgendeine Art und Weise - und ganz sicher - dicker, als ohne Hebel ,auf die Deutschen zurückkommen. Diese Tatsache wird von den Politikern geflissentlich verschwiegen und, wenn überhaupt, nur nach fiesem Nachbohren zugegeben.

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