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Eine weitere Farce der EU - Politik: Die Finanztransaktionssteuer

1. März 2013 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Trading

Die Finanztransaktionssteuer auf Aktien in Frankreich - ein Feldversuch zur Volatilitäsbekämpfung

Heute muss ich noch einen Post zur geplanten Börsensteuer nachschieben und damit den "Feldversuch" aus dem letzten Sommer abschließen. Es ist sehr gut erkennbar, wie die Volatilität (gemessen durch die Average True Range eines Handelstages) vor der Einführung der französischen Finanztransaktionssteuer im Sinkflug begriffen war. Kurz nachdem die Steuer in Kraft trat, erreichte die tägliche Schwankungsbreite ihren Tiefpunkt. In den darauf folgenden Monaten ist die Volatilität der Beispielaktie (ACA Credit Agricole s. Chart) - trotz Börsensteuer - stetig angestiegen und steht dieser Tage auf ihrem höchsten Stand seit Juni letzten Jahres.

Wie bekannt ist, kann die Steuer bei den franzöischen Aktien nicht umgangen werden. Sie wird grundsätzlich immer erhoben.

Eine weitere Farce der EU - Politik: Die Finanztransaktionssteuer

Dieses Beispiel zeigt auf einfachste Art und Weise, wie wenig Auswirkungen eine recht niedrige Finanztransaktionssteuer auf die Schwankungsbreite der Kurse an den Handelsplätzen entfalltet. Im besten Fall verändert sie sich nämlich überhaupt nicht.

Alle Finanzkrisen vor 2007 - mit Teils noch heftigeren Abwärtsbewegungen an den Börsen in gleicher Zeit - fanden übrigens in völliger Abwesenheit von den extrem kurzfristig orientierten Daytrader- und Hochfequenzhändlerscharen statt. Eine Finanzsteuer wird keinen einzigen Investor davon abhalten, in schwierigen Zeiten sein Geld in Sicherheit zu bringen und damit die Börsen crashen zu lassen.

Die Finanztransaktionssteuer ist eine Strafsteuer und keine Mehrwertsteuer

Wird aus erziehungstechnischen Gründen extrem hoch besteuert, ist sogar mit steigender Volatilität zu rechnen. Zu diesem Schluß kommt die Mehrheit der Studien, welche sich mit den Auswirkungen einer solchen Finanztransaktionssteuer auf die Preisstellung an den Märkten beschäftigt haben. Jeder Trader der wichtige News handelt kann es gleichermaßen bestätigen. Im nun angedachten Szenario der EU-Kommission, mit eher niedrigeren Steuersätzen, muss dann aber wiederum davon ausgegangen werden, dass die Strafsteuer ihre Lenkungsfunktion - so denn überhaupt eine notwendig wäre - bei den Marktteilnehmern verfehlt. Die Strategien der Investoren verändern sich einfach mit und passen sich den neuen Bedingungen an. Würden sich Spekulanten von den Märkten tatsächlich zurückziehen, wären die Finanzmärkte de facto nicht mehr funktionsfähig. Es gebe schlicht und einfach keine Marktteilnehmer mehr, die bereit dazu sind, für eine gewisse Zeit ein erhöhtes Risiko auf sich zu nehmen, bis ein Wertpapier einen neuen längerfristigen Investor findet.

Es zeichnet sich für die Politik ein Dillemma ab, denn sie möchte mit nur einem Instrument gleich mehrere Ziele erreichen.

Eine Finanztransaktionssteuer konterkariert den Wachstumspakt

Die EU-Kommission räumt selber ein, dass ihr Vorschlag mit Wachstumseinbußen verbunden sein wird. Allein dies ist ein klarer Beleg dafür, dass die EU-Finanztransaktionssteuer alles andere als eine optimale Lösung darstellt. Denn wenn sie die Ordnung der Finanzmärkte wirklich nachhaltig verbessern würde, sollte sich dies in höherem und nicht geringerem Wirtschaftswachstum niederschlagen.

Dr. Kroker IW Köln

Genau 180 Grad diametral zu Herrn Krokers Aussage, faselt die Politik hingegen vom Wachstumspakt für Europa als einziger Chance um langfristig stabile Haushaltsdefizite zu erreichen?!

Bricht man es runter gibt es genau zwei Argumente die beim Thema Finanztransaktionssteuer stichhaltig sind:

1. Die EU Staaten brauchen schnelles Geld, um ihre Schuldenmachereich weiter zu finanzieren, und

2. Sie wollen Aktionismus gegen die vermeintlichen Urheber (Spekulanten) der Krise zeigen und damit bei ihren Wählern punkten. Denn sie wissen: Eine große Mehrheit unterstützt die Finanztransaktionssteuer.

Möglich ist das nur, weil es die Politik geschickt verstanden hat den Bürgern beizubringen, dass die angeblich bösen Finanzmärkte als solche die Hauptverantwortlichen für die heutige Krise sind. Spekulanten sind an der Misere in Europa in Wahrheit genauso viel dafür verwantwortlich, wie ein Verkäufer im Baumarkt nebenan. Um speziell die Banken gezielt an den Kosten der Krise zu beteiligen, gibt es andere Möglichkeiten, die nicht die Finanzmärkte und Realwirtschaft als Ganzes in Mitleidenschaft ziehen.

Unter Punkt zwei erwähnter Aktionismus trifft vor allem auf unsere Bundeskanzlerin zu, die ursprünglich nicht für die Einführung dieser Finanztransaktionssteuer war. Warum wohl? Weil Frau Dr. Merkel intelligent ist und nicht naiv. Auch sie kennt die wirklichen Zusammenhänge, die zur Krise geführt haben genau (Geldsystem/Schuldenspirale, Verflechtung/Abhängigkeit Staaten/Banken, Rendite,-Haftungsentkopplung). In allen genannten Punkten wird eine Finanztransaktionssteuer zur Ursachenbekämpfung keinerlei konstruktiven Beitrag leisten können.

Machtpolitik funktioniert aber nicht nach dem Prinzip der Ehrlichkeit und Einsicht. Wer Merkel kennt, weiss mittlerweile: "Mutti" besetzt möglichst alle Themen von mitte - links um SPD und Grüne bei den Wahlen ins Leere laufen zu lassen (das jüngste Beispiel ist die Zustimmung der CDU zur Homo-Ehe). Außerdem geriet die Bundesregierung durch schlechte Wahlergebnisse auf Länderebene im Bundesrat seitens der Opposition zusehends unter Druck. Es liegt nahe, dass dieser politische Druck, Merkel hier einen Kompromiß suchen ließ, um ihre Rettungspolitik für den Euro weiterführen zu können.

Eine Börsensteuer unter einer FDP Regierung - lachhaft und nachvollziehbar zugleich

Besondere Aufmerksamkeit verdient bei diesem Thema die FDP. Sie brauch sich in keinster Weise zu wundern, wenn sie bei den nächsten Bundestagswahlen abgestraft wird. Dass eine solch umfassende Finanztransaktionssteuer auf Börsengeschäfte mit Rückendeckung dieser Partei, die sich die freie Marktwirtschaft Wirtschaftswachstum und Steuersenkungen auf die Fahnen schreibt an den Start gebracht wird, ist absolut lächerlich aber machtpolitisch nachvollziehbar, denn die Partei steht in den Umfragen mit dem Rücken zur Wand. Um glaubhaft zu bleiben, hätte die FDP die Koaltion schon lange platzen lassen-, und Deutschland damit Neuwahlen bescheren müssen.

Eine angestrebte Freihandelszone und eine Finanztransaktionssteuer gehen nicht zusammen

Hier forciert die Merkel - Regierung einen Transatlantik - Pakt, der auf eine Freihandelszone zwischen Europa und den USA abzielt, um den Handel zu beiden Seiten des Atlantiks anzukurbeln. Auf der anderen Seite setzt sich die gleiche Regierung aber zur gleichen Zeit für einen "Strafzoll" für europäische Finanzprodukte ein, und streut dadurch der Wirtschaft den Sand wieder ins Getriebe zurück.

Fazit

Wer sich die Mühe macht und einen etwas genaueren Blick auf das Unterfangen Finanztransaktionssteuer wagt, dem wird klar werden, dass dieses Vorhaben der EU - Politik mehr einer populistischen Verzweiflungstat als einer wohldurchdachten Strategie zur wirklichen Verbesserung des Finanzsystems oder gar einer Stärkung der europäischen Wirtschaft gleichkommt. Liebe Politiker, sagt den Menschen da draußen einfach, wie es wirklich ist: Die nächste Krise wird auch mit Börsensteuer garantiert kommen und der Berg der Staatsschulden wird in Zukunft ebenfalls garantiert wachsen - trotz Sparzwang, Hilfspaketen und Reformerei. Und hört auf den Menschen weiss machen zu wollen, die Finanzmärkte und Spekulanten sind an der Euro-Krise schuld. Diese Behauptung ist einfach nur lächerlich und zeugt von Nichtwissen oder noch schlimmer, ist mutwillige Täuschung, um von den eigentlichen Problemen im System abzulenken.

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