Coin Flip Blog

Die Börsenpanik in den Medien

7. August 2011 , Geschrieben von Der Risikomanager Veröffentlicht in #Common

Stürmische Zeiten bringen viel Schmunzelmaterial hervor. Hier einige Auszüge (Headlines):

Die Börse spielt verrückt!

- Aha. Nur so am Rande: Die Börse ist ein Marktplatz für Angebot und Nachfrage, kein Lebewesen. Besser: Die Menschen drehen am Rad.

Börsencrash vernichtet 2,5 Billionen Dollar!

- Aha. Und die Kohle liegt jetzt geschreddert in kleinen Paketen auf dem Gelände einer Altpapier- Recyclingfabrik? Besser: Der Wert, der an der Börse gelisteten Unternehmen, hat sich um 2,5 Billionen verringert.

"Sogenannte Stop Loss Mechanismen verstärken den Absturz!"

- Also lieber ohne Stop Loss handeln? Immer diese bösen Zocker, die ihr Geld absichern wollen. Es leben die Langfristinvestoren, die auch mal Kursrückgänge jahrelang aussitzen.

 

Weitere "Experten" O-Töne:

"Es gab heute einfach keine Käufer an den Märkten und das Volumen war unglaublich hoch"

Hmm, paradox. Da scheint ein Experte die Funktionsweise des Börsenhandelsplatzes nicht ganz verstanden zu haben.

An der Börse muss es - genauso wie bei jedem Geschäftsabschluß - immer zwei Parteien geben. Verkäufer und Käufer, sonst kein Abschluß und ohne Transaktion keine Kursveränderung. Die Sache mit dem Last Price. Na, machst klick?

Unter dem Strich werden immer die gleiche Anzahl von Käufern und Verkäufern aktiv. Punkt. Die Frage ist nur: Auf welches Preisniveau einigen sich beide Parteien, um die jeweiligen Transaktionen durchzuführen?

"Die Börsen reagieren auf Nachrichten rasend schnell"

Kann schon sein, wenn Börse als "Sühnonühm" für Marktteilnehmer steht.

Wer sich die letzten Monate anguckt, wird feststellen, dass es aber nicht immer so einfach ist, zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Die Menschen preisen ihre persönlichen Zukunftserwartungen in die Kurse ein. Die Politik muss anschließend darauf reagieren, indem sie z.B. einen Euro-Rettungsschirm einführt. Die Maastrichtregeln bricht. Die EZB zum Kauf von Staatsanleihen drängt. In Portugal die Regierung umrührt. Herrn Berlusconi aus dem Freudenhaus zitiert, damit er sich endlich mal wieder vor seinem Parlament blicken lässt und ein Sparpaket schnürt.  

Die Märkte produzieren anscheinend nicht selten selbst die News, auf die, oder deren Folgen sie dann wieder reagieren. Was für ein Wechselspiel. 

Diesen Post teilen

Kommentiere diesen Post