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Der Mindestlohn - ein riskantes Experiment

10. November 2013 , Geschrieben von The Risk Manager Veröffentlicht in #Common

Nach der Bundestagswahl ist vor den Kompromissen. Wie es scheint, kann die SPD in den Koalitiionsverhandlungen mit der CDU ihr wichtigstes Anliegen durchdrücken, den einheitlichen Mindestlohn

Ein nachvollziehbares Argument und letztlich das Hauptargument für einen flächendeckenden Mindelstlohn leuchtet ein: Es ist der Schutz vor Ausbeutung der Menschen und ihrer wertvollen Arbeitskraft gerade durch vermeintlich skrupellose Firmenchefs, die damit ihre eigenen Gewinne pushen möchten. Vor allem sozial niedrig gestellte Arbeitnehmer werden leicht Opfer solcher Praktiken. Aus Angst vor Arbetitslosigkeit und niedriger Wertschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten, sind sie oftmals in einer nachteiligen Verhandlungsposition. Auch andere Arbeitnehmer, deren Bezahlung nicht an offizielle Tarifverträge gekoppelt ist, könnten von einem flächendeckenden Mindeslohn profitieren.  

Fakt ist dennoch: Kostet ein Arbeitnehmer einem Unternehmen mehr Geld, als diese Arbeitskraft ihrerseits zur Steigerung des Unternehmensgewinns beitragen kann, lohnt es sich für einen Arbeitgeber nicht mehr, diese Person weiter anzustellen.

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Image courtesy of [adamr] / at FreeDigitalPhotos.net

Rein wirtschaftlich geht es bei der Mindestlohn - Story nur um eine Sache, nämlich die adequate Höhe der gesetzlichen Lohnuntergrenze richtig einzuschätzen. Der vom freien Markt ermittelte Gleichgewichtslohn ist hierbei die Richtschnur. Sobald der Mindestlohn diese Schwelle übersteigt, werden die Auswirkungen eines Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt unter dem Strich negativ ausfallen. Sprich: Arbeitsplätze gehen verloren, entweder durch Verlagerung oder Schwarzarbeit. Um die Wirkung des Mindestlohns zu optimieren und damit seine Einführung zu rechtfertigen, stehen die Verhandlungsführer der Koaltionspartner vor einer folgenschweren Entscheidung, denn sie müssen für ganz Deutschland eine Lohnuntergrenze festlegen, die möglichst nahe am jeweiligen Gleichgewichtslohn einer bestimmten Branche und Region liegt, aber keinesfalls deutlich darüber. Dieses Unterfangen ist deshalb so schwierig, da die Bestimmung des Gleichgewichtslohns aufgrund von Wirtschaftsmodellen erfolgt, die teilweise die Realität in der vielschichtigen Arbeitswelt nicht überzeugend darzustellen vermögen. Der gesunde Menschenverstand sagt einem vor diesem Hintergrund, ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn kann niemals nur Profiteure hervorbingen. 

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema. Letzten Sommer kamen zwei amerikanische Forscher zu neuen Erkenntnissen auf diesem Gebiet. Ihre Interpretation von verschiedenen Studienergebnissen zum viel diskutierten Thema einer einheitlichen Lohnuntergrenze führen interessanterweise zu dem Schluß, dass die Auswirkungen eines Mindestlohns womöglich erst in der Zukunft am Arbeitsmarkt spürbar werden. Soll heißen: Kurzfristig werden nicht zwangsläufig Arbeitsplätze nur aufgrund des Minimumlohns abgebaut, jedoch steht eine feste Lohnuntergrenze einem zukünftigen Stellenaufbau im Weg und es werden dann weniger Jobs zur Verfügung stehen, als ohne diese Grenze. Im Ergebnis wirkt der Mindestlohn ihrer Ansicht nach also doch als Arbeitsplatzvernichter, wenn auch nicht ganz so offensichtlich und direkt, wie manche Kritiker behaupten.

Aufgrund dieser difusen Wirkungsweise eines Mindstlohns bleibt der Politik bei diesem Thema nichts anders übrig, als durch "trial and error" ihre Erfahrungen zu sammeln, um so eine gut funktionierende Lohnuntergrenze auszuloten.

Ganz witzig hierzu: Die ganze Promblematik des Mindetslohns hat unlängst ausgerechnet die politisch linksgerichtete "taz" in ihrem eigenen Blog auf eindrucksvolle Art und Weise - und wahrscheinlich eher unfreiwillig - entblößt und dabei gezeigt, dass auch die Verantwortlichen dieser Zeitung rechnen können und durchaus wirtschaftlichen Sachverstand mitbringen, aber auch für ihre Vision bereit sind, Abstriche in Kauf zu nehmen. Letzteres halte ich für eine sehr löbliche Tugend.

Was man übrigens von einigen ihrer "Fans" nicht gerade behaupten kann, denn diese hatten sich über die  beschämend schlechte Bezahlung einer Voluntariatsstelle bei der Zeitung lauthals beschwert. Dabei forderten sie die "taz" auf, sich gerade als linke Zeitung doch lieber für einen angemessen hohen Lohn zu entscheiden und rieten den angehenden "Volos" sich solch ein Gehaltsangebot nicht gefallen zu lassen. Die "taz" rechnete ihren "Facebook Fans" dann haarklein vor, warum der Lohn nicht erhöht werden kann. Bei Bezahlung des vollen Tariflohns müsste zur Finanzierung entweder ein Drittel der Belegschaft entlassen werden, so die "taz", oder sofort 12.000 neue Zeitungsabos generiert werden.

Diese Geschichte zeigt auch, wie Anspruch und Wirklichkeit bei vielen "Linken" auseinanerklaffen.

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