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Der Euro bleibt, und Europa zerfällt. Und Italien?

9. November 2011 , Geschrieben von Der Risikomanager Veröffentlicht in #EuroKrise Finanzsystem

In einem Interview skizierte der Harvard Professor Niall Ferguson ein mögliches Zukunftsszenario für Europa. Hier die wichtigsten Antworten aus dem Gespräch:

Die Währungsunion wird also halten?

Ich glaube, ein Auseinanderfallen der Währungsunion wäre zu kompliziert. Niemand hätte etwas davon. Weder würden die Griechen etwas gewinnen, wenn sie die Drachme wiederbekommen würden. Noch hätte Deutschland einen Vorteil, wenn man Griechenland rauswerfen würde.

Wie lässt sich die Krise dann lösen?

Die 17 Mitgliedsländer werden sich unausgesprochen auf eine Transferunion einigen. Unausgesprochen, weil man eine Transferunion gerade in Deutschland politisch nicht verkaufen kann.

Haben wir nicht längst eine Transferunion?

Ja, wir nennen sie „bail-outs“.

Beseitigt eine Transferunion den Konstruktionsfehler der Währungsunion?

Nein, das Grundproblem der Euro-Zone sind nicht die Staatsschulden, sondern die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung ihrer Mitglieder. Der Euro war niemals ein optimaler Währungsraum.

Jeder in Europa darf sich politischen Populismus leisten, nur nicht die Deutschen. Wenn es in Deutschland eine ähnliche Bewegung wie die „Wahren Finnen“ geben würde, dann stünde das ganze Euro-Projekt auf dem Spiel.

Ist es nicht paradox, wenn man bedenkt, dass der Euro Europa einigen sollte?

Der Euro befördert nicht die Integration, sondern das Gegenteil. Es ist eine Zweiklassengesellschaft in Europa entstanden. Sowohl innerhalb wie außerhalb der Euro-Zone.

Man hätte sich von Anfang an viel stärker auf eine Weiterentwicklung des Binnenmarktes konzentrieren sollen. Stattdessen haben die Franzosen geglaubt, sie könnten die Stärke Deutschlands und der Bundesbank mit einer einheitlichen Währung begrenzen. Der Euro wird überleben, aber die Europäische Union nicht. Es ist extrem schwer, aus der Währungsunion auszuscheren, aber vergleichsweise einfach, die EU zu verlassen. Warum sollten die Länder außerhalb der Euro-Zone dabeibleiben? Diese Zweifel wachsen, wie man an der Rebellion der Konservativen Partei in Großbritannien sehen kann. Der Euro könnte also die EU zerstören.

Quelle: Handelsblatt.com

Niall Ferguson macht sich um den Austritt Griechenlands aus der Eurozone Gedanken, während die Finanzmärkte Stück für Stück und unaufhaltsam den Italienern ihr Vertrauen entziehen. Mittlerweile stand der Coupon für Zehnjährige Staatsanleihen erstmalig seit Euroeinführung über 7%, und das obwohl die EZB anscheinend im Markt ist!

Italien wird zum casus knaxus für die Währungsunion. Und Italien wird kein zweites Griechenland, sollte die Finanzierung über die Märkte unmöglich werden. Das Spiel um den Euro scheint erst richtig in Fahrt zu kommen.

Zumindest solange Deutschlands Kosten (Transferunion) für den Euro nicht die positiven Effekte (billige Refinanzierung, beflügelte Exportwirtschaft) durch den gleichen überwiegen, gilt der Spruch: "The power is, where the money is". So hatte sich das Frankreich - da bin ich auf Linie mit dem Interviewten - ganz sicher nicht vorgestellt, als es für den Euro trommelte. Ob dieser Zustand allerdings nachhaltig ist?

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